Washington vernichtet Akten – Erster Weltkrieg

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Ich habe diesen sehr interessanten Artikel gefunden, den ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Originalartikel unter: https://morbusignorantia.wordpress.com/2017/04/03/wie-die-sieger-die-geschichte-faelschen/

...

Wenn ein Verbrechen geschieht, ist der Täter bestrebt, keine Beweise zu hinterlassen. Doch wie bei jedem Verbrechen gibt es Spezialisten, die die Herausforderung annehmen und nach dem winzigsten Beweis suchen und ihn finden. In der Geschichtsforschung ist es ähnlich. Auch hier gibt es Täter und Opfer. Durch welche Machenschaften die Täter ihre Opfer zum Täter gemacht haben, erfahren Sie im folgenden Artikel.

Wenige Jahre nach dem Ersten Weltkrieg veröffentlichte die deutsche Reichsregierung die Akten des deutschen Auswärtigen Amtes von 1870 bis 1914 (1) in 40 Bänden. Sie konnte damit überzeugend und vor der Weltöffentlichkeit erfolgreich die im Versailler Diktat im Artikel 231 von den Alliierten festgelegte alleinige Schuld Deutschlands am Kriege widerlegen.

Um den besiegten Deutschen diese Möglichkeit der Widerlegung unberechtigter Vorwürfe nach dem Zweiten Weltkrieg zu nehmen, raubten neben den anderen Siegermächten vor allem die Amerikaner mit dazu eingesetzten Spezialeinheiten die ihnen 1945 bei der Besetzung Deutschlands in die Hände gefallenen Akten des Reiches und verfrachteten die gestohlenen Dokumente nach den USA. (Ähnlich beschafften sie sich Akten des zerfallenden SED-Regimes in Ost-Berlin 1989/90.) Erst im Jahre 1959 wurden sie – teilweise ? – der Bundesrepublik zurückgegeben, die die Akten von 1918 bis 1945 in den folgenden Jahren bis 1995 in einer umfangreichen Edition in fünf Serien veröffentlichte.

Aber auch dabei wirkten die Siegermächte entscheidend mit: »Die Edition wurde von einer internationalen Kommission von Historikern aus Frankreich, Großbritannien, den Vereinigten Staaten und Deutschland geleitet, die über die Auswahl der Dokumente entschied. Mitglieder der Kommission waren zu verschiedenen Zeiten unter anderen weltweit angesehene Historiker wie Alan BULLOCK, Hajo HOLBORN, Maurice BAUMONT, für Deutschland Hans ROTHFELS und Walter BUSSMANN. Unter ihrer Aufsicht leistete ein Team deutscher Historiker die editorische Arbeit. Insgesamt wurden rund 25000 Dokumente veröffentlicht. Zur Bewertung der Arbeit sagte der letzte französische Hauptherausgeber, Jacques BARIETY, bei der abschließenden Festveranstaltung am 21. November 1995 auf dem Petersberg:„Unsere Aufgabe war es nicht, die Geschichte der Außenpolitik – oder des Außenpolitischen – Deutschlands zu schreiben, sondern es galt, der internationalen wissenschaftlichen Gemeinschaft eine Sammlung von Quellen zur Verfügung zu stellen, damit jeder Historiker diese Geschichte so schreiben kann, wie er es möchte. Ich glaube, wir sind der Aufgabe, die uns gestellt wurde, treu geblieben. Ich habe nie eine Kritik über die Unvoreingenommenheit und den Ernst unserer Arbeit gelesen.“(2)

[Anmerk.Red.: Suchen Sie nach den o.g. Namen, Sie werden sich nicht wundern, was dabei heraus kommt!]

Dazu ist folgendes zu bemerken:

1. Im Vorwort der Edition heißt es, daß die Amerikaner 1945 die deutschen Akten an sich nahmen und in die USA transportierten, weil sie in Deutschland ein Verschwinden der Dokumente befürchteten. Ein edler Grund wird also vorgeschoben und das für ein Gebiet, das von den Alliierten besetzt war und in dem sie die Hoheit hatten, also auch den Diebstahl oder das Verschwinden der Akten verhindern konnten. In Wirklichkeit wollten die Sieger die Akten in ihren Besitz bringen, um darin Belastendes gegen Deutschland – auch schon für die Nürnberger Prozesse – zu finden und um sie zur Unterstützung ihres Geschichtsbildes in aller Ruhe manipulieren zu können. Dafür hatten sie dann viele Jahre Zeit.

2. Auch bei der anschließenden Herausgabe wirkten die Siegermächte durch die entsprechenden Historiker bei der Auswahl der Dokumente entscheidend mit und konnten damit noch einmal zu ihren Gunsten auswählen.

3. Zu der die Herausgabe kontrollierenden Kommission gehörten als sehr einseitig bekannte, durch Deutschland belastende Werke hervorgetretene und der Umerziehung verpflichtete Personen wie BULLOCK und ROTHFELS.

4. Während der Zeit des amerikanischen Besitzes wurde an den Akten manipuliert, wurden Dokumente gefälscht(3) oder Deutschland entlastende Materialien aus den Dokumenten entfernt. So fehlen heute zum Beispiel ausgerechnet die entscheidenden Seiten zu HITLERS Befehl vom 24. Mai 1940, die deutschen Truppen vor Dünkirchen anzuhalten.(4)

Ein weiteres Beispiel sei dafür nachfolgend angeführt:(5)

1960 schrieb der dem Herausgeber persönlich bekannte Georg WIESHOLLER am Historischen Institut der Stockholmer Universität eine Magisterarbeit über das Vorspiel zum Zweiten Weltkrieg (lnför andra världskriget). Zur Verfügung standen ihm die oben erwähnten Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik 1918-1945 und auch die Akte Herbert VON DIRKSENS, der 1938 als Botschafter von Tokio abberufen und Nachfolger RIBBENTROPS als deutscher Botschafter in London wurde. Dirksen hatte ein Gut in Schlesien und verwahrte dort Durchschriften seines Schriftwechsels mit dem Auswärtigen Amt auf. Diese fielen 1945 in die Hände der Sowjets. Im anschließenden Kalten Krieg veröffentlichte Moskau diese Akten unter der Bezeichnung Dirksens paper. Beim Vergleich stellte WIESHOLLER fest, daß die Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik 1918—1945 nicht so lückenlos waren, wie die Herausgeber behaupteten:

So umfaßte darin das Dokument Nr. 448, ein Brief DIRKSENS vom. .. an. .., … 157 Wörter, das entsprechende der DIRKSEN-Papiere jedoch 1115. Im letzteren, in der Veröffentlichung der Außenamts-Akten fortgelassenen Teil begründete DIRKSEN, warum HITLER das britische Angebot, die Beilegung des Konflikts mit Polen um mehrere Jahre zu verschieben, nicht annehmen könne, also keinen Aufschub der Verhandlungen mit Warschau hinnehmen wolle:da die Briten mit Hochdruck rüsteten, er nicht mithalten könne und daher eine Lösung der polnischen Frage sofort in Angriff nehmen wolle.

Ein für die sachgerechte Beurteilung der damaligen deutschen Politik äußerst wichtiger Teil ist also in der deutschen Aktenausgabe einfach weggelassen worden.

London läßt Akten verschwinden

Einer Fälschung der Geschichte wird auch Vorschub geleistet, wenn wichtige Papiere vernichtet werden. Das gilt sowohl für in eigener Hand befindliche Akten, die das eigene Land und seine politischen wie militärischen Verantwortlichen belasten können, als auch für dem unterlegenen Gegner geraubte, diesen entlastende Dokumente. Beides ist in den Weltkriegen des 20. Jahrhunderts nicht selten vorgekommen, und oft genug geschah das zu Lasten Deutschlands und zur Entlastung der Sieger.

In verdienstvoller Weise hat der Militärhistoriker und Generalleutnant der Bundeswehr a.D. Franz UHLE-WETTLER einige Fälle von den Engländern aus durchsichtigen Gründen vernichteter Akten zusammengestellt und dabei die betreffenden Quellen (neu numeriert, R.K.) angegeben.(6) Er schreibt:

Nachweislich ist immerhin, daß die Briten sogar ihre eigenen Akten schon bei drittrangigen Fragen manipuliert haben. So wurden die Akten über die Ermordung der Überlebenden eines versenkten deutschen U-Bootes 1915 (Baralong-Fall) und wichtige Akten über die Erfindung deutscher Kriegsverbrechen in Belgien 1914 vernichtet.(7) Auch diejenigen Akten wurden vernichtet, die der Glorifizierung des britischen Feldmarschalls HAIG, Oberbefehlshaber der britischen Truppen in Frankreich 1915-1918, im Wege standen.(8)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde vernichtet, was Licht auf die Frage geworfen hätte, weshalb die Briten völkerrechtswidrig die WLASSOW-Soldaten und zudem auch die dabei arretierten Exil-Russen und sogar das deutsche Rahmenpersonal an die Sowjets ausgeliefert haben.(9)

Akten über die Ermordung deutscher Schiffbrüchiger durch die Royal Navy im Zweiten Weltkrieg sind sogar nach Auskunft des Foreign Office vernichtet worden.(10)

Und schließlich wurden viele derjenigen Akten vernichtet, die gezeigt hätten, weshalb die britische Regierung die Kontaktversuche des deutschen Widerstandes zurückgewiesen oder unbeantwortet gelassen hat.(11)

Weiterhin haben die Briten nicht nur in die eigenen, sondern auch in die erbeuteten Akten eingegriffen. Die deutschen Akten über Friedensfühler 1939/40 >went missing when they were in Allied hands after the war<, gingen verloren, als sie nach dem Krieg in alliiertem Besitze waren. (12)

Mit Recht fügt UHLE-WETTLER dem hinzu: »Allerdings. Die Akten >gingen< nicht verloren, denn sie hatten keine Beine, sondern jemand muß am Werk gewesen sein.«

Ein weiteres Beispiel für die wohl nicht von ungefähr durch London vorgenommene Ausmerzung den Briten unangenehmer Dokumente bilden die Akten zu dem englischen Giftgasangriff vom 17. April 1917 in Palästina. Auch hier ist das Material weitgehend verschollen (siehe Beitrag Nr. 40: »Britischer Giftgasangriff in Palästina 1917«).

Daß in den von den Alliierten 1945 geraubten deutschen Akten heute ausgerechnet zum Verständnis äußerst wichtige Dokumente fehlen, zum Beispiel zu HITLERS Haltebefehl an die deutschen Truppen vor Dünkirchen 1940 oder bei den sogenannten »Schlüsseldokumenten«, ist mit großer Wahrscheinlichkeit ebenso das Ergebnis gezielter Eingriffe und erfolgter »Überarbeitung« zu dem Zweck, ein bestimmtes Geschichtsbild nicht nur nicht ins Wanken geraten zu lassen, sondern auch für die rückblickende Forschung zu verfestigen.

Das Mysterium der weißen Blätter

Von Gerd Schultze – Rhonhof

Wichtige Vorgänge der Geschichte werden zeitnah am Geschehen in Akten zu Papier gebracht und 20 oder 30 Jahre später zu Dokumentensammlungen zusammengestellt, abgedruckt, veröffentlicht und so der Wissenschaft zur Verfügung gestellt. Der Autor hat bei seinen Arbeiten zur Zeitgeschichte oft von solchen gedruckten Sammlungen Gebrauch gemacht, um sich damit die Reisen in die Archive, in denen die jeweiligen Originalakten lagern, zu ersparen.

Hin und wieder fielen dem Autor dabei Textstellen auf, die nach den Zeitumständen oder anderen Indizien so, wie gedruckt, nicht stimmen konnten. Irgendwann begann der Autor, sich solche verdächtige Stellen mit ihren Akten – und Dokumentennummern zu notieren, um sie beim nächsten Archivbesuch in den Originalakten zu überprüfen.

In aller Regel bekommt der Archivbesucher nur Fotokopien der Akten ausgehändigt. Doch auch Kopien können noch den Leser täuschen. Der Autor bat jedes Mal um die Originale, und er bekam sie vorgelegt: Aktenordner mit 60 oder 70 Jahre alten, bis ins Bräunliche vergilbten DIN A4 – Blättern, dem damals gängigen, billigen Schreibmaschinenpapier. Nun kam die Überraschung.

In vielen Fällen war das Papier, auf dem die zweifelhaften Stellen standen, ein hellweißes Blatt. Manchmal stand oben auf der Seite „Abschrift“, manchmal fehlte der Vermerk. Es ist schon auffallend, dass hin und wieder ein einziges Blatt in mehrseitigen Dokumenten nicht dem Alterungszustand aller anderen Seiten entspricht. Da der Autor fast immer nur dort die weißen Seiten fand, wo er offensichtlich nicht Stimmendes vermutet hatte, lag für ihn der Verdacht nahe, dass hier nachträglich Textänderungen vorgenommen und die entsprechenden Seiten ausgetauscht worden waren.

Es fragt sich, warum das bisher offensichtlich kaum jemandem aufgefallen ist. Die Akten, um die es geht, lagen bis 1956 zum Teil in den USA und zum Schluss alle in England. Als sie dann an Deutschland ausgehändigt worden sind, waren die Papiere gerade 20 Jahre alt, und der Alterungsprozess der originalen, nicht ausgetauschten Blätter war offensichtlich noch nicht so weit fortgeschritten, dass ein Unterschied zu den ausgetauschten Papieren aufgefallen wäre. So mussten die deutschen Historiker, die diese Akten unmittelbar nach der Rückgabe ausgewertet und über sie geschrieben haben, nicht über die offensichtlich ausgetauschten Blätter stolpern. Jetzt, nach weiteren 50 Jahren, ist das billige Schreibmaschinenpapier der 30er Jahre so stark vergilbt, und sind die ausgetauschten Blätter noch so gut erhalten, dass man den Unterschied nicht übersehen kann.

Zwei Beispiele sollen im Folgenden demonstrieren, wie hier die spätere Geschichtsschreibung von denen, die die deutschen Akten bis 1956 in Verwahrung hatten, „schon in den Quellen“ manipuliert werden sollte.

Erntehelfer aus der Tschechoslowakei

Die Originalakten zu den Geschehnissen in der Tschechoslowakei von 1937 liegen im Archiv des Auswärtigen Amts in Berlin. Sie enthalten zwischen anderen Berichten über Sudetendeutsche und Slowaken ein Schriftstück, das dort nach dem Datum auch scheinbar hin gehört. Dieses Schreiben, datiert auf den 3. März 1937 und ausgefertigt in Berlin, berichtet, dass der stellvertretende Parteivorsitzende der Sudetendeutschen Partei Konrad Frank zum Reichsführer der SS Heinrich Himmler beordert worden sei. Himmler habe ihm befohlen, sofort 25.000 sudetendeutsche Knechte und 40.000 Mägde als Arbeitskräfte nach Deutschland umzusiedeln. Auf den Einwand Franks, dass die Tschechoslowakei ein souveräner Staat sei, und eine solche Umsiedlung deshalb nicht zu machen sei, habe Himmler erwidert, dass die „Sudetendeutschen ja im übrigen in nicht allzu ferner Zeit sowieso zum Reich kämen.“ Das Schreiben schließt mit der Bitte um eine Stellungnahme des Reichsaußenministers.[I] Der bemerkenswerte Satz in diesem Text vom 3.3.1937 ist, dass „die Sudetendeutschen ja … in nicht allzu ferner Zeit sowieso zum Reich kämen.“

Der Satz wirkt wie ein Beweis dafür, dass der spätere Anschluss der Sudetenlande in Berlin schon Anfang 1937 eine beschlossene Sache gewesen sei. Die Spur, die hier gelegt wird, ist falsch und das Schreiben eine schlecht gemachte Fälschung. Das fragliche Blatt ist schneeweiß und hat ein Wasserzeichen, das sonst nirgends in den Akten auftaucht. Das Schreiben weist weder einen Kopf mit dem Verfasser auf, noch eine Unterschrift. So ist seine Echtheit kaum zu überprüfen. Einige Zeilen des Textes sind von Hand rot unterstrichen, als wäre das Schreiben vom Empfänger gelesen und bearbeitet worden, doch die beim Lesen üblicherweise angebrachte Paraphe fehlt. Auch eine Antwort oder Stellungnahme des Ministers ist im Ordner nicht zu finden.

Selbst der Inhalt dieses Schreibens ist nicht stimmig. Ende Februar 1937 gibt es in Deutschland noch immer über 1,5 Millionen Arbeitssuchende[II] und fast 63.000 arbeitslose Landarbeiter.[III] Selbst von den fast 63.000 beschäftigungslosen Landarbeitern im Januar 37 sind zu Jahresende noch immer über 34.000 arbeitslos. Ein Dauerzuzug von 65.000 Arbeitskräften aus dem Ausland wäre 1937 kontraproduktiv gewesen. Stattdessen verhandelt das Auswärtige Amt wenig später tatsächlich mit der Tschechoslowakei um 3.000 Saisonarbeitskräfte. Der Erfinder dieses Schreibens hat die wirtschaftliche Lage zu der Zeit nicht richtig recherchiert, aber wohl gewusst, dass der Bedarf an Landarbeitern wieder

zunahm.

So hat der Verfasser die falsche „Botschaft“, dass die Deutschen schon im März 1937 die Absicht hatten, der Tschechoslowakei die Sudetenlande abzunehmen, in das Thema „Arbeitskräfte“ eingepackt. Er hat als Überbringer den Reichsführer der SS gewählt, dem ohnehin einjeder alles zutraut. Aber Himmler war zu der Zeit dienstlich weder mit Wirtschaftsfragen noch mit den Problemen der Auslandsdeutschen befasst. Als Absicht des Erfinders dieser „Botschaft“ kann vermutet werden, ein frühes Indiz für deutsche Kriegsschuld in die Originalakten des Jahres 1937 zu platzieren. Diese Akten befanden sich während des Nürnberger Prozesses in amerikanischem und danach bis 1956 in englischem Gewahrsam.

Görings Flugplatzwünsche in der Slowakei

Am 19. Oktober 1938 machen der slowakische Ministerpräsident Monsignore Tiso und sein Stellvertreter Dr. Ferdinand Durčansky ihre Antrittsbesuche in Berlin. Durčansky hat bei der Gelegenheit Gespräche mit Außenminister von Ribbentrop und Reichstagspräsident und Luftfahrtminister Göring. Nach dem nur kurzen Protokoll der Unterredung mit Göring wirbt Durčansky – wie schon bei von Ribbentrop – für eine unabhängige Slowakei in Anlehnung

an Deutschland. Göring äußert, dass das Deutsche Reich die „Bestrebungen der Slowaken auf Selbständigkeit in geeigneter Weise unterstützen“ werde. Dem folgt in dem Protokoll eine Einlassung Görings, die wieder einmal etwas Rätselhaftes in der Aktenlage darstellt. Nach dem Protokolltext sagt Göring zum Schluss der Unterredung:

Flughafenbasis in Slowakei für Luftwaffe im Einsatz gegen Osten sehr wichtig.“

Der Satz wirkt zusammenhanglos an den übrigen Gesprächstext angefügt. Gerade deswegen leuchtet er als Menetekel an der Wand, legt Göring hier doch erstmals offen, dass er sich schon im Oktober 1938 gedanklich mit einem Krieg im Osten auseinandersetzt. Östlich der Slowakei liegt nur die Sowjetunion und, wenn man es allegorisch nimmt, auch Polen. Dies wäre, wenn das Dokument stimmt, der erste Hinweis, dass ein Spitzenpolitiker des Dritten Reichs die Absicht eines späteren Angriffs in Richtung Osten offenlegt.

Inhaltlich fällt auf, dass der Göring-Satz nicht zu allen anderen Gesprächsinhalten passt. Die einschlägige Fachliteratur lässt vielmehr darauf schließen, dass sich Göring 1938 als „Beauftragter des Vierjahresplans“ mit Durčansky ausschließlich über Wirtschaftsfragen unterhalten hat, [IV], und dass er sich gedanklich erst recht spät mit einem Einsatz seiner Luftwaffe gegen die Sowjetunion befasst hat. [V] Formal fällt auf, dass die Aufzeichnung des Gesprächs weder Ort noch Datum der Besprechung noch den Protokollführer erkennen lässt. Das Papier trägt weder Unterschrift noch Namenszeichen.

Nimmt man statt der gedruckten und veröffentlichten Version des Gesprächsprotokolls in

den „Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik“ das „Original-Papier“ im Archiv des Auswärtigen Amts in Berlin zur Hand, fallen zwei weitere Eigentümlichkeiten auf. [1][VI]Das „Original“ trägt den Vermerk „Abschrift“, was in der gedruckten Version ausgelassen ist. Solch eine Unterlassung ist beim Aktenabdruck äußerst ungewöhnlich. Da das so genannte Original eine Abschrift ist, ist es durchaus möglich, dass das ursprüngliche Besprechungsprotokoll, durch Görings inkriminierenden Satz erweitert worden ist. Es ist auch möglich, dass das ganze Gespräch erfunden worden ist.

[1]Politisches Archiv des Auswärtigen Amts, Akte R 29932, Blatt 210058

Das Fehlen von Orts- und Zeitangaben und der Unterschrift lässt das vermuten. Die zweite Eigentümlichkeit, die bestätigt, dass das „Original“ kein Original ist, ist wieder der Zustand des Papiers. Es ist hellweiß, während die sonstigen Blätter im ganzen Aktenordner stark vergilbt sind. Dies „Dokument“ mit Görings verräterischem Satz ist offensichtlich zu einer Zeit dem Ordner beigeheftet worden, als das 1938 gebräuchliche Schreibpapier und das Papier des „Dokuments“ noch gleich weiß waren, so dass der Pfusch zunächst nicht sofort aufgefallen ist. Das „Dokument“ vom Durčansky-Besuch vom Oktober 1938 bei Göring ist höchstwahrscheinlich wieder eine Fälschung. Die Botschaft, die es überbringen soll, heißt: Göring hat schon im Oktober 1938 an einen Angriff gegen Polen oder die Sowjetunion gedacht.

Der anonyme Verfasser dieser Botschaft hat sie geschickt in das Thema „Staatsbesuch Tiso und Durčanskys“ eingepackt und das „Dokument“ dann unverdächtig zum Protokoll des Tiso – Durčansky – Ribbentrop – Gesprächs geheftet. Als Absicht des Erfinders dieser „Botschaft“ kann vermutet werden, ein frühes Indiz für deutsche Kriegsschuld in die Originalakten des Jahres 1938 zu plazieren. Diese Akten befanden sich während des Nürnberger Prozesses in amerikanischem und danach bis 1956 in englischem Gewahrsam. Eine Fälschung aus deutscher Feder nach 1956 kann der Autor nicht ausschließen, aber erhält sie für äußerst unwahrscheinlich.

Schlußbemerkung

Die Entschlüsse, die Sudetenlande an Deutschland anzuschließen und die Sowjetunion anzugreifen, reifen bei Hitler und in seiner Umgebung nachweisbar erheblich später als das die „weißen Blätter“ suggerieren. Mit den 65.000 sudetendeutschen Landarbeitern, die Himmler angeblich schon im März 1937 hatte haben wollen, verlegt der Fälscher den Zeitpunkt der ersten Äußerung aus Hitlers Umfeld, dass die Sudetenlande Deutschland angeschlossen werden sollen, um acht Monate nach vorn. Hitlers eigene erste Aussage dazu stammt aus dem Gespräch, das mit dem berühmten Hoßbach-Protokoll vom November 1937 überliefert worden ist.

Mit Görings angeblicher Bemerkung vom Oktober 1938, dass die slowakischen Flugplätze für den Einsatz der Luftwaffe nach Osten wichtig wären, verlegt der Fälscher den ersten Hinweis auf Überlegungen aus dem Umfeld Hitlers, die sonst erst aus dem Juli 1940 stammen, um 20 Monate nach vorn.

Wenn es da nicht die Parallele der auffälligen weißen Blätter in vielen solcher Fälle gäbe, wäre der massive Verdacht der Fälschung höchstwahrscheinlich gar nicht aufgekommen!

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