Djatlov-Pass – Geht nicht dorthin!

Yuri Doroschenko Autopsy
Allgemein

1.0 VORWORT

Vor einiger Zeit wurde ich durch den Film “Devils Pass” auf diese tatsächliche Expedition einiger Studenten der russischen Universität Ural im Jahre 1959 zum Berg Cholat Sjachl (mansisch für Berg des Todes; 1097 m) aufmerksam. Der Gebirgspass, an dem das Unglück geschah, wurde später nach dem Gruppenanführer Igor Dyatlow Dyatlow-Pass benannt. Ziel der Expedition war es, den Berg Otorten (russ. Отортен, Höhe: 1235 m) zu erreichen, der Luftlinie etwa 13,6 Kilometer nördlich des Unglücksortes lag. Die Reise wurde zu dieser Jahreszeit als „Kategorie III“, die schwerste, eingeschätzt. Alle Mitglieder hatten Erfahrung mit langen Skitouren und Gebirgsexpeditionen.

Aus unbekannten Gründen und Ursachen kehrte die Expedition am 12.02.59 nicht mehr zurück, auch wurde das vereinbarte Telegramm von der Rückkehr in den Ort Iwdel nie gesandt. Die Rettungsgruppe wartete noch bis zum 20.02.59, da es durchaus vorkommen konnte, dass sich Expedition durch widrige Umstände mit der Rückkehr verspäteten. Sie erwarteten daher, dass die Dyatlov-Expedition im Zeitraum 12.02. - 20.02.59 den Ort Iwdel erreichen würde und das Telegramm sandten - was leider nie der Fall war.

Dyatlov Pass incident map

EINFÜHRUNG

Die ganzen westlichen, mysteriösen Zwischenfälle wie bspw. der Roswell-Vorfall 1947 sind für manche Menschen ja mittlerweile kalter Kaffee und schon so oft aufgebrüht worden, dass man kaum noch den Kaffee darin erkennen mag. Der Osten dagegen scheint noch so einige eigenwillige Vorfälle vorzuhalten. Der bekannteste ist wohl noch das Tunguska-Ereignis. Über einen Beitrag bei Ehrensenf [Dieses Webangebot ist nicht mehr verfügbar.] bin ich gestern auf einen weiteren Vorfall aus dem Jahre 1959 im russischen Uralgebirge aufmerksam geworden, der im Gegensatz zu den anderen Geschehnissen zunächst wenig spektakulär klingt, aber gleichwohl besonders mysteriös. Da es allerdings an guten deutschsprachigen Quellen zu dem Vorfall mangelt, habe ich aus den englischsprachigen Quellen (und einigen google-übersetzten russischen Quellen) eine Zusammenfassung der Ereignisse geschrieben. Auch wenn ich nach bestem Gewissen versucht habe mich an die Fakten zu halten und Spekulationen als solche gekennzeichnet habe, kann ich nicht ausschließen, dass auch schon manche der Quellen, die ich verwendet habe, Fehler in einer klaren Differenzierung gemacht haben.

Der Vorfall

Anfang des Jahres 1959 wurde in Jekaterinenburg (damals noch unter dem Namen Swerdlowsk) eine Gruppe für eine Skilanglauf-Expedition zusammengestellt, die den Berg Otorte im Ural zum Ziel hatte. Die Gruppe bestand aus 8 Männern und 2 Frauen:

  1. Igor Dyatlov, 23 Jahre (Student, Leiter der Expedition)
  2. Zinaida Kolmogorova, 22 Jahre (Studentin)
  3. Lyudmila Dubinina, 21 Jahre (Studentin)
  4. Alexander Kolevatov, 25 Jahre (Student)
  5. Rustem Slobodin, 23 Jahre (Student)
  6. Georgyi Krivonischenko, 24 Jahre (Absolvent)
  7. Yuri Doroshenko, 21 Jahre (Absolvent)
  8. Nikolai Tibo-Brinyol, 24 Jahre (Absolvent)
  9. Alexander Zolotarev, 37 Jahre
  10. Yuri Yudin

Zum überwiegenden Teil waren sie Studenten oder Absolventen des polytechnischen Instituts des Urals, die sich durch die Expedition einen besseren Abschluss Ihres Sportstudiums erhofften. Alle waren erfahrene Skilangläufer und Kletterer.

Am 25. Januar 1959 erreichte die Gruppe den Ort Iwdel mit dem Zug, um direkt im Anschluss per LKW weiter nach Vishay zu fahren, einer kleinen Siedlung vor den Bergen des Urals, die als Ausgangspunkt der Expedition dienen sollte. Von hier aus hatte die Gruppe einen ? km langen Marsch nach Nordwesten vor sich. Die Strecke war zu dieser Jahreszeit als Kategorie 3 eingestuft, die schwierigste. Am 27. Januar begann die Gruppe schließlich ihre Wanderung. Doch schon am darauffolgenden Tag musste Yuri Yudin die Gruppe wegen gesundheitlicher Probleme verlassen und kehrte wieder nach Vishay zurück. Er sollte der letzte sein, der die verbleibenen 9 Gruppenmitglieder lebend gesehen hatte.

Es war geplant, dass der Leiter der Gruppe Igor Dyatlov von Vishay an seinen Sportverein telegraphieren sollte, sobald die Gruppe von Ihrer Expedition zurückgekehrt war, was ursprünglich für den 12. Februar geplant war. Zunächst machte sich jedoch niemand Sorgen, als der 12. Februar ohne Nachricht von der Gruppe verstrich, da es häufig zu Verzögerungen bei solchen Expeditionen kam. Yudin sagte später außerdem aus, dass Dyatlov ihm vor seiner Umkehr mitgeteilt habe, dass er davon ausgehe, einige Tage länger als geplant für die Route zu benötigen. Am 20. Februar erwirkten schließlich einige Angehörige, dass das Institut eine Gruppe freiwilliger Studenten zusammenstellen ließ, die die vermisste Gruppe suchen sollte. Später beteiligten sich außerdem die Polizei und die Armee mit Hubschraubern und Flugzeugen an der Suchaktion.

Am 26. Februar fanden die Suchtrupps schließlich ein Zelt am Hang des Berges Kholat Syakhl, etwa 10 km südlich vom Otorten (siehe untere Abbildung, Position Z – die Bergspitze links davon markiert den Kholat Syakhl). Das Zelt gehörte der vermissten Gruppe, doch es war verlassen und größtenteils zerstört. Außerdem hatten die Mitglieder anscheinend ihre gesamte Ausrüstung hier zurückgelassen (Bild des Zeltes, wie es der Suchtrupp am 26. Februar vorfand).

Schon das Zelt und dessen Fundort gaben erste Rätsel auf. Aus Tagebüchern der Gruppe, die in dem Zelt gefunden wurden, geht hervor, dass die Gruppe am 31. Januar nach Wanderung entlang des Flusses Auspii unten im geschützten Tal ein Versorgungslager errichtete (siehe obige Abbildung, Position V, grob geschätzt), um nicht die gesamte Ausrüstung mit in die Berge nehmen zu müssen. Nachdem man dort die Nacht verbrachte, machte man sich am 1. Februar auf in die Berge. Sinnvoll wäre nun gewesen das Gebirge durch den Gebirgspass (entlang der gestrichelten Linie) zu durchqueren, um in der folgenden Nacht die Zelte wieder in den schützenden Wäldern auf der Gegenseite zu verbringen. Stattdessen lief die Gruppe fast geradewegs den Kholat Syakhl hinauf und errichtete ihr Lager völlig ungeschützt an dessen Hang. In den Tagebüchern findet sich keine Begründung für diese eigenwillige Route. Eventuell hatte sich die Sicht durch einen Schneesturm derart verschlechtert, dass die Gruppe die Orientierung verlor und ihren Fehler zu spät bemerkte.

Bei der Untersuchung des Zeltes stellte sich zudem heraus, dass es von innen her an mehreren Stellen aufgeschlitzt worden war. Da das Zelt auch jederzeit über den normalen Ausgang hätte verlassen werden können, sprach alles dafür, dass die Gruppe das Zelt in großer Panik fluchtartig verlassen haben musste. Vom Zelt aus führten 8 oder 9 verschiedene Fußspuren, die durch Vergleich den Mitgliedern der Gruppe zugeordnet werden konnten, nach Nordosten geradewegs den Hang hinab, die jedoch nach 500 m endeten, da sie dort mittlerweile vom Schnee überweht worden waren.

Nachdem man jedoch der Richtung etwa einen weiteren Kilometer gefolgt war, fand der Suchtrupp direkt an der Baumgrenze unter einer mächtigen Kiefer die Leichen von Krivonischenko und Doroshenko (Position 4). Beide trugen bis auf etwas Unterwäsche keine Kleidung an sich. In unmittelbarer Nähe zu ihnen fanden sich die Überreste eines Feuers. Außerdem sah es so aus, als wäre jemand die Kiefer hinaufgeklettert. Bei der weiteren Suche fand man drei weitere Leichen auf dem Weg zwischen dem Lager und der Kiefer. 300 m von der Kiefer entfernt fand man den Expeditionsleiter Dyatlov (Position 3), 480 m entfernt Slobodin (Position 2) und 630 m entfernt Kolmogorova (Position 1). Die Suchtrupps berichteten, dass die Körperhaltung der Leichen vermuten ließ, dass sie versucht hätten zum Lager zurückzukehren. Auch sie trugen kaum Kleidung an sic. (laut den google-übersetzten, angeblich originalen Ausschnitten aus dem Untersuchungsbericht in Anna Matveyevas semifiktionaler Geschichte „Dyatlov pass“ waren die drei Mitglieder relativ warm gekleidet, nur ohne Schuhe gefunden worden; die ursprüngliche Aussage ist damit zumindest zweifelhaft)

Während die verbleibenden 4 Mitglieder weiterhin als vermisst galten, begann man die gefundenen 5 Leichen gerichtsmedizinisch zu untersuchen. Keine der Leichen wies eine äußere Verletzung auf außer einigen Schrammen irgendeine Verletzung auf; lediglich Slobodins Schädel hatte eine kleinere Fraktur etwa 17 cm lange Fraktur, was jedoch von den Gerichtsmedizinern als Todesursache ausgeschlossen wurde. Als offizielle Todesursache wurde bei allen 5 Personen daher Unterkühlung festgestellt. Der Tod war etwa 6 bis 8 Stunden nach ihrer letzten Mahlzeit eingetreten.

Erst am 4. Mai fand man auch die Leichen der 4 verbleibenden Mitglieder. Sie waren unter einer 4 Meter dicken Schneedecke 75m weiter ins Tal hinab begraben (Position 5). Sie waren etwas besser gekleidet, wobei sich ihre Kleidung teilweise aus Fetzen der Kleidung anderer Mitglieder zusammensetzte. Zolotarev trug Dubininas Pelzmantel, Dubininas Füße waren in Fetzen von Krivonischenkos Hose gehüllt. Während bei Kolevatov ebenso wie bei den anderen 5 Mitgliedern Unterkühlung als Todesursache festgestellt wurde, wiesen die anderen 3 schwerste innere Verletzungen auf. Tibo-Brinyols Schädel war regelrecht zertrümmert, Dubinina und Zolotarev hatten mehrere gebrochene Rippen. Auch sie wiesen jedoch keine keinerlei äußere Verletzungen auf, so als wären die Brüche durch eine starke Druckeinwirkung entstanden. Außerdem soll Dubininas Zunge gefehlt haben.

Theorien zum Vorfall

Eine Theorie, die die Polizei offiziell untersuchte, war die, dass Angehörige des Mansenvolkes die Gruppe angegriffen hatten, weil sie sich auf geheiligtem Boden befand. Die Theorie wurde jedoch schnell wieder verworfen, da es in diesem Gebiet keinen geheiligten Boden der Mansen gab und nichts rund um das Zelt oder um die Fundorte der Leichen auf die Anwesenheit weiterer Menschen schließen ließ. Der Fall wurde daraufhin nach wenigen Monaten wegen eines fehlenden Schuldigen eingestellt. Die Akten wurden zunächst vertraulich behandelt und schließlich in den 90ern veröffentlicht (einige wenige Teile sollen jedoch fehlen).

Der aufgebrachten Bevölkerung in der Region erklärte man, der Tod der Gruppenmitglieder sei auf eigene Fehler und eine schlechte Organisation der Expedition seitens des Sportvereins zurückzuführen. Doch es wirkt abseits jeder Logik, wieso 9 Menschen anscheinend mitten in der Nacht (das würde ihre spärliche Bekleidung erklären) bei geschätzten -30 °C Außentemperatur ohne ersichtlichen Grund in Panik ihr Zelt verlassen und ohne Ausrüstung 1,5 km den Berg hinunterlaufen sollten.

Daher stellten verschiedene Personengruppen in der Folge ihre eigenen Erklärungen für den Vorfall auf, die wie immer bei solchen Mysterien eine Bandbreite bis hin zur Involvierung von Außerirdischen aufweisen und deren ausführliche Erörterung hier nicht lohnt. Man kann jedoch zwei wesentliche Haupttheorien herausfiltern.

Die eine Theorie geht von militärischen Test aus. Diese Theorie stützt sich in der Hauptsache auf 3 inoffizielle Aussagen. Zum einen wollen die Angehörigen der Verstorbenen ausgesagt haben, dass sie bei der Beerdigung eine merkwürdige Orangefärbung der Haut und fast völlig ergraute Haare bei den Opfern bemerkt haben wollen. Weiterhin will ein Mitglied des Suchtrupps ausgesagt haben, dass er auf seinem Dosimeter eine erhöhte radioaktive Strahlenbelastung in der Gegend gemessen haben will. Daraufhin sollen die Leichen auf Radioaktivität hin untersucht worden sein, wobei einige Kleidungsstücke eine erhöhte Strahlung aufgewiesen haben sollen. Die Ergebnisse fehlen jedoch in dem endgültigen Bericht. Bei dieser Aussage stellt sich die Frage, wieso der Suchtrupp überhaupt ein Dosimeter mit auf die Suche nahm und wie hoch die angebliche Strahlung überhaupt war. Bei dem damals noch relativ lockeren Umgang mit radioaktiven Stoffen, mögen diese vielleicht schon von Anfang an in der Kleidung verarbeitet gewesen sein (bspw. in Farbstoffen), weshalb auch nur diese Kleidungsstücke die Radioaktivität aufwiesen. Und zu guter letzt wollen mehrere Augenzeugen orangefarbene Kugeln am Nachthimmel in der Zeit von Februar bis März gesehen haben. Eine Wandergruppe, die sich etwa 50 km von der Gruppe entfernt befand, will solch eine Erscheinung auch in jener Nacht in Richtung des Kholat Syakhl beobachtet haben und ein Mitglied des Suchtrupps berichtet von einer solchen Erscheinung am 31. März. Eine besonders große Häufigkeit von Meteoritenschauern in diesem Zeitraum könnte diese Erscheinungen erklären.

Die Frage ist auch, was für eine militärische Aktion den Vorfall verursacht haben soll. Selbst nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion will niemand etwas von militärischen Tests oder einer Anlage in dieser Gegend wissen. Es scheint auch zweifelhaft, wieso in dieser öffentlich zugänglichen Gegend militärische Test durchgeführt werden sollten, wenn die Sowjetunion genügend Sperrgebiete dafür besaß. Auch wenn diese Theorie viele Befürworter hat, bleibt sie trotzdem irgendwie unbefriedigend und spekulativ.

Die andere Theorie besagt, dass sich oberhalb des Lagers am Kholat Syakhl eine Lawine gelöst habe, die die Gruppe unter sich begraben habe. Die inneren Verletzungen der drei Mitglieder könnten danach von den Schneemassen verursacht worden sein und das Zelt aufgeschnitten worden sein, weil der normale Ausgang zu diesem Zeitpunkt verschüttet war. Wenn sie sich jedoch alle aus dem Zelt befreien konnten, stellt sich die Frage, wieso dann keine Zeit mehr dafür war, die überlebensnotwendige Kleidung mitzunehmen. Wenn sich außerdem die Verletzungen bereits oben am Zelt ereignet haben, stellt sich die Frage, wieso gerade die verletzten Mitglieder (Tibo-Brinyol hätte der Schädelfraktur zur Folge bewusstlos sein müssen) den weitesten Weg vom Zelt zurückgelegt haben. Auch diese Theorie weist also Widersprüche auf.

 

Die Gruppe setzte sich aus neun Männern und zwei Frauen zusammen. Ein Mitglied kehrte vorzeitig um, was ihm das Leben rettete, allerdings machte sich dieser Mann lebenslang Vorwürfe (Überlebenssyndrom).

Die Erkundung erfolgte zur Aufbesserung ihrer Sportnoten. Die Gruppe fuhr am 25.01.59 mit der Bahn nach Iwdel, eine Stadt in der Provinz Sverdlovsk Oblast. Dort mieteten sie einen Lastwagen zum Dorf Vishay, der letzten bewohnten Ortschaft im fernen Norden.

DIE TEILNEHMER DER MANNSCHAFT

Gruppe 1 - Djatlov-Pass
Gruppe 1 - Djatlov-Pass

Gruppe 2 - Djatlov-Pass
Gruppe 2 - Djatlov-Pass

Djaltov-Pass Karte
Djaltov-Pass Karte

Zu Beginn möchte ich Ihnen erst einmal die einzelnen Mitglieder dieser Bergsteigermannschaft vorstellen. Es waren anfangs zehn Teilnehmer, doch erkrankte - wie oben beschrieben - ein Mitglied und trat aus der Mannschaft aus. Bis auf das letzte Mitglied waren alle Studenten der Technischen Universität des Urals.

1. YURI NIKOLAIEVICH DOROSHENKO (21)

Yuri-Doroshenko-01
Yuri-Doroshenko-01

Geboren am 29. Januar 1938, Russische Föderation

Er hatte eine impulsive Persönlichkeit. Er wurde geachtet, weil er bei einem Bergaufstieg auf einem riesigen Bären geritten war. Er war einmal in einer Beziehung mit Zina Kolmogorova und traf sogar ihre Eltern in Kamensk-Ural. Obwohl diese Beziehung vorzeitig zerbrochen war, hielt er eine gute Beziehung zu ihr. Ihr neuer Freund ist Igor Dyatlov, der beste Freund von ihm. Er war 21 Jahre alt, als er starb.

2. LYUDMILA DUBININA (20)

Lyudmila-Dubinina-01
Lyudmila-Dubinina-01

Geboren am 12. Mai 1938, Russische Föderation

Sie war im dritten Jahr und die jüngste der Dyatlov-Gruppe. Eine gut ausbildete Bergsteigerin, die das Fotografieren beim Bergsteigen über alles liebte. Viele der Bilder der letzten Reise wurden von ihr geschossen. Während einer Expedition zu den östlichen Sayan Bergen im Jahr 1957 wurde sie zufällig von einem anderen Touristen angeschossen, der sein Gewehr reinigte. Sie ertrug die Verletzung mutig. Während des langen und schmerzhaften Transportes, bei dem sie sich nie über ihre Schmerzen beklagte, fühlte sie sich nur schuldig, weil sie der restlichen Gruppe Ärger mit ihrem Abtransport verursachte. Sie war 20 Jahre alt, als sie starb.

3. IGOR DYATLOV (23), LEITER DER EXPEDITION

Djatlov Djatlov-Pass
Djatlov Djatlov-Pass

Geboren am 13. Januar 1936, Russische Föderation

Er war der Führer der unglücklichen Bergsteigermannschaft; der ganze Vorfall ist nach ihm benannt. Er war Student der 5. Fakultät für Radiotechnik. Ein sehr talentierter Ingenieur, der ein neuartiges Radio während seines 2. Jahres entwarf, das während der Wanderungen im Jahre 1956 im Sayan-Gebirge verwendet wurde. Er entwarf auch einen kleinen Herd, welchen er auf dieser Reise mitgebracht hatte. Die Studenten wussten, dass er ein sehr gewissenhafter Führer war, der keine voreiligen Entscheidungen traf. Er war mit Zina Kolmogorova, die auch an der Wanderung teilnahm, liert. Igor Dyatlov war einer der erfahrensten Athleten in der Gruppe. Sein bester Freund, Yuri Nikolaievich Doroshenko, nahm an der Bergsteigermannschaft teil. Er war 23 Jahre alt, als er starb.

4 ALEXANDER KOLEVATOV (24)

Alexander-Kolevatov-05
Alexander-Kolevatov-05

Geboren am 16. November 1934, Russische Föderation

Ein Student der Kernphysik im 4. Jahr. Vor dem Umzug nach Swerdlowsk beendete er die Swerdlowsk-Bergbau- und Metallurgie-Hochschule der Metallurgie der schweren Nichteisenmetalle. Er zeichnete sich als guter Schüler aus und ging daher nach Moskau, um am Geheiminstitut des Ministeriums für Mittelmaschinenbau zu arbeiten, wo er den Decknamen “I 3394” erhielt.

Später studierte er am Forschungsinstitut für anorganische Materialien, das sich mit der Herstellung von Materialien für die wachsende Nuklearindustrie beschäftigte. 1956 zog er nach Swerdlowsk zurück und studierte an der UPI weiter. Er war eine vorsichtige, fleißige Person, die das Rauchen von antiken Pfeifen genoss. Seine Freunde beschrieb ihn als fleißig, pedantisch und methodisch mit klaren Führungsqualitäten. Er war 24 Jahre alt, als er starb.

Er hatte nachweislich Geheimdienstkontakte.

5. ZINAIDA KOLMOGOROVA (22)

Zinaida-Kolmogorova-08
Zinaida-Kolmogorova-08

Ihr Freund, Dyatlov nahm an dieser Bergsteigung teil.

Sie war eine Studentin im vierten Jahr.  Sie war eine erfahrener Bergsteigerin. Während einer ihrer Reisen wurde sie von einer Viper gebissen. Sie ertrug die Schmerzen tapfer und fiel keinem Anderen zur Last. Leute, die sie kannten, beschrieben sie als das Herz der Uni. Sie war immer voller Ideen und wurde von allen gemocht. Trotz ihrer Beliebtheit in der Schule hat sie immer alle mit Interesse und Respekt behandelt. Infolgedessen wurden die Leute natürlich zu ihr gezogen. Sie war 22 Jahre alt, als sie starb.

Die Studenten waren von ihrem Tod am Meisten betroffen.

6 YURI KRIVONISCHENKO

Yuri-Krivonischenko-02
Yuri-Krivonischenko-02

(23, WÄRE IN FÜNF TAGEN 24 GEWORDEN)

Geboren am 7. Februar 1935, Russische Föderation

Er studierte Bau und Hydraulik an der UPI Universität seit 1959. Während er in Tscheljabinsk - 40, einer geheime Kernanlage arbeitete, erlebte er eine Katastrophe, die als Kushtumkoy Unfall bekannt wurde.  Yuri (oder Georgiy) Krivonishenko gehörte zu den Leuten, die geschickt wurden, um dort die Notfallmassnahmen einzuleiten. Bei der Expedition trug er Kleidung, die verstrahlt war, mit Spuren genau dieses Unfalls. Yuri war der hauseigene Hofnarr der Uni. Er war immer auf der Suche nach Witzen, um seine Freunde zu amüsieren. Er war ein leidenschaftlicher  Mandolinen-Spieler. Die Mandoline, die er auf der verunglückten Bergsteigung mitnahm, fand man im Basis-Lager des 02.02.59, zu dem die Bergsteiger einen Notabstieg riskierten. Er war 5 Tage vor seinem 24. Geburtstag, als er starb.

Yuri hatte nachweislich Geheimdienstkontakte.

7 RUSTEM VLADIMIROWITSCH SLOBODIN (RUSTIK) (23)

Rustem-Slobodin-03
Rustem-Slobodin-03

Geboren am 11. Januar 1936, Russische Föderation

Student seit 1959. Er war ein sehr athletischer Mann, ehrlich und anständig, obwohl er sehr ruhig war. Er spielte gerne eine Mandoline, die er oft bei langen Wandertouren mitnahm. Sein Vater war Professor an einer anderen Universität in Swerdlowsk. Obwohl Rustem ethnisch russisch war, gab ihm sein Vater einen traditionellen Tatarennamen, was damals eine Besonderheit und sehr beliebt war. Er war 23 Jahre alt, als er starb.

8 NIKOLAI THIBEAUX-BRIGNOLLES (23)

Nikolai-Thibeaux-Brignolles-01
Nikolai-Thibeaux-Brignolles-01

Geboren am 8. Juli 1935, Russische Föderation

Graduierte 1958 mit Schwerpunkt Bauingenieurwesen an der Universität UPI. Er war der Sohn eines französischen Kommunisten, der während der Stalin-Jahre hingerichtet wurde. Er selbst wurde in einem Konzentrationslager für politische Gefangene geboren. Seine Freunde mochten ihn für seine Energie, seinen guten Sinn für Humor und dem allgemein freundlichen offenen Charakter. Alle Leute, die ihn kennengelernt hatten und auf mit ihm reisten, sagten, er hatte eine unglaubliches Pflichtgefühl für alle Mitglieder der Gruppe. Er half oft jüngeren oder schwächeren Mitgliedern beim Aufstieg, indem er ihre Ausrüstung trug, oder ihre defekte Ausrüstung reparierte. Yuri Yudin, der einzige Überlebende der Expedition, berichtete, dass Nikolai ihm bei seinen Wanderungen in den Sibirischen Wald geholfen hatte. Nikolai versprach seiner Mutter, dass dies seine letzte Wanderreise sein würde. Was sich tragischerweise auch bewahrheitete. Er war 23 Jahre alt, als er starb.

9 SEMYON ZOLOTARYOV (38)

Semyon-Zolotaryov-02
Semyon-Zolotaryov-02

Geboren am 2. Februar 1921, Russische Föderation

Er war das älteste und auch das geheimnisvollste Mitglied der Gruppe. Als ein Angehöriger der nordkaukasischen Kuban-Kosaken, überlebte er den Großen Vaterländischen Krieg, der von Oktober 1941 bis Mai 1946 dauerte. Im April 1946 wechselte er zur Leningrader Militärtechnik-Universität. Später wechselte er zum Minsker Institut für Leibeserziehung (GIFKB). Es ist sehr schwer, bestimmte Ereignisse in seiner Biographie zu erklären. Er hätte in der Armee bleiben können, aber er hatte sie verlassen. Stattdessen arbeite als Touristenführer und reiste durch das Land, was zur damaligen Zeit verboten war.  Er hatte nie geheiratet und keine Kinder. Er starb am 38. Geburtstag.

Sehr auffällig war, dass er als staatlicher Reiseführer zum Schluss zur Gruppe stieß, um für seinen Bergsteigerschein noch einige Punkte zu erlangen. Semen unterhielt nachweislich Geheimdienstkontakte.

10 YURI YUDIN *

Aufgrund einer Erkrankung brach dieser die Expedition vorzeitig ab und ging zurück. Dyatlov und er vereinbarten, dass Dyatlov am 12.02.59 zu ihm ein Telegramm senden würde, wenn sie in Iwdel eintreffen würden.

ZUSAMMENFASSUNG BIS HIERIN:

Zehn junge Studenten einer Technischen Universität brachen um ihre Sportnoten zu verbessern, am 26.01.59 zu einer vierzehntägigen Bergsteigung zum Berg Ortorten auf. Allesamt sind die bergerfahren und hatten bereits einige Mal genau diesen Berg und die Gegend bestiegen, kannten sich daher mit den Örtlichkeiten aus.

Als die Expedition sich am 12.02.59 nicht meldete, war dies kein Grund für eine Beunruhigung, denn aufgrund sehr schlechtem Wetter kam es sehr oft vor, dass sich Expeditionen verspäteten. Als jedoch bis zum 20.02.59 keine Lebenszeichen der Verlorenen bei der Uni eingingen, bereitete dieser seltsame Umstand den Verantwortlichen der Uni Sorge, so dass Suchtrupps auf dem Berg Otorten entsandt wurde.

Die erfahrenen Bergsteiger bestiegen einen Pass, der als sehr schwierig eingestuft wurde und nur von sehr erfahrenen und körperlich gesunden Bergsteigern zu dieser Jahreszeit bestiegen werden sollte. Das Wetter war äußerst schlecht, die Temperaturen lagen bei - 30 Grad, es wehte ein sehr heftiger und sehr kalter Wind. Der Schnee war tief, so dass die Bergsteiger nur sehr langsam und mühsam vorankamen. Sie entschieden sich offensichtlich dafür, täglich lediglich 2.5 Kilometer voranzukommen und dann eine Tagesbasis zu errichten.

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