Weil sie Deutsche sind – Das Blutgericht von Landskron/Tschechen

Massaker an Deutschen
Allgemein

Ab Oktober 1944 wurden die Volksdeutschen zwangsweise und brutal vertrieben - nur deshalb, weil sie Deutsche waren. Ganze Familien mussten ihre angestammte Heimat verlassen, ihr Haus und ihr Grund aufgeben und wurden erbarmungslos vertrieben, in eine ungewissen Zukunft in einem ihnen fremden Land - Deutschland, das sie nur aus Erzählungen ihrer Eltern und Großeltern kannten. Traditionen gingen verloren, ganze Dorfgemeinschaften wurden auseinandergerissen, gar Familien, deren Mitglieder sich auf der Flucht aus den Augen verloren - für immer. Und es gab Schreckliches über Denen zu berichten, die in ihrem Dorf verbleiben wollten, nicht fliehen konnten, weil sie zu alt waren oder einfach nicht schnell genug waren, ihre Habseligkeiten zu sammeln und von den Russen überrascht wurden. Viele Hundert Volksdeutsche verloren ihr Leben, auf der Flucht oder genommen von ihren Peinigern - den Tschechen.

17.05.1945

Das Landskroner Blutgericht - Bericht von Leopold Pfitzner

"Bis zum Kriegsende fluteten durch Landskron Wehrmachtsteile, Belegschaften von Behörden und größeren Unternehmungen und die Elendszüge der Heimatvertriebenen. Am 8. Mai 1945 konnten wir von den Höhen des Landskroner Talkessels noch den Kampflärm vernehmen. Desorganisierte deutsche Truppen zogen sich fluchtartig zurück. In ihrem Gefolge sah man auf hochbeladenen LKW Zivilisten, Kraftfahrzeuge wurden mangels Betriebsstoff allenthalben in Brand gesteckt.

In diese Szenerie des Feuers, der Verzweiflung und der Auflösung jeglicher Ordnung drangen die beutegierigen russischen Horden mit tschechischen Partisanen und feierten von da an durch Wochen hindurch Orgien von Haß, Grausamkeiten, Gewalttätigkeiten, plünderten und mordeten mit satanischer Gier. Türen und Fenster der Häuser wurden erbrochen, das Vieh aus den Ställen getrieben, viele Einwohner eingekerkert oder verschleppt, Frauen und Mädchen ohne Wahl und ohne Rücksicht auf das Alter vergewaltigt.

Die männliche Bevölkerung von Landskron wurde zu Aufräumungsarbeiten kommandiert. Ich wurde einem Arbeitskommando zugeteilt, das in der Ringofenziegelei Wehrmachtsausrüstungen zu ordnen und zu verladen hatte.

Am 17. Mai 1945, gegen 11.30 Uhr ging ich mit einigen Landsleuten von der Arbeit nach Hause und hörte an einer Wegkreuzung, wie ein bewaffneter tschechischer Partisane einem tschechischen Zivilisten in tschechischer Sprache sagte, daß heute das große Gericht beginnen würde. Knapp vor meiner Wohnung wurde ich von wild herumschießenden Partisanen abgefangen und mit ungefähr 50 bis 60 Deutschen, die inzwischen zusammengetrieben worden waren, im Laufschritt auf den Marktplatz gepeitscht, wobei die tschechische Begleitmannschaft unablässig auf das Straßenpflaster schoß. Dadurch erlitten mehrere deutsche Männer Gellerverletzungen.

Ich selbst wurde durch ein abprellendes Geschoß an der rechten äußeren Fußkante erheblich verletzt. Auf dem Marktplatz meiner Heimatstadt Landskron waren inzwischen etliche Hundert deutsche Männer zusammengetrieben worden, die in Reihen formiert wurden. Bis 7 Uhr abends am 17. Mai und den ganzen 18. Mai 1945 haben bewaffnete Tschechen und Russen an uns ein furchtbares Blutgericht gehalten. In meinem Heimatstädtchen mit seinen zirka 6500 Einwohnern wurden an den beiden Tagen gegen 40 Männer hingemordet; an 100 Landsleute gaben sich den Freitod.

Im Feuerlöschbecken befinden sich Prof. Vizenz Römer und Richard Reichstädter, der kurz nach Aufnahme des Fotos erschossen wird. Hinter dem Becken stehen händehochhaltende Deutsche und einzelne Tschechen. Links das Rathaus, rechts die Pestsäule.

Das Becken wurde übrigens zwischenzeitlich zu einer gemütlichen und von den tschechischen Bürgern von 'Lanskroun' gut frequentierten Sitzgelegenheit umgewandelt.

Wir mußten am 17. 5. 1945 über sechs Stunden ununterbrochen beide Arme hochhalten. Jede Reihe war von patrouillierenden Partisanen flankiert. Wer die Hände auch nur sekundenweise sinken ließ, wurde mit dem Gummiknüppel über den Kopf oder die Arme geschlagen.Ununterbrochen Schossen die Partisanen knapp über unsere Köpfe hinweg. An den Fenstern, die geschlossen bleiben mußten, durfte sich niemand zeigen. Geschah dies trotzdem, schossen die Partisanen in die Wohnungen.

Plötzlich brüllte ein Partisane durch Lautsprecher: Alles zusammen und nieder! Die Hunderte von Männern drängten sich wie ein Bienenklumpen zusammen und versuchten vergeblich, sich auf die Erde zu legen. Es entstand ein wildes Durcheinander, über welches hinweggeschossen wurde. Ob und wer dabei verletzt wurde, konnte ich in der begreiflichen Aufregung nicht feststellen. Mit größter Schnelligkeit mußte sodann die Reihenordnung wieder hergestellt werden. Dies wiederholte sich einige Male.

Ein vom Schreien heiser gewordener Partisane veranstaltete mit uns Sprechchöre, indem er uns zu Heil Hitler! kommandierte, anschließend sogleich auf Tschechisch: Es lebe Präsident Benesch, es lebe Generalissimus Stalin! Zivilisten gingen die Reihen ab und suchten sich entweder besondere Opfer aus, die sogleich vor den unter freiem Himmel aufgestellten Richtertisch geschleppt wurden, um sofort gehängt oder erschossen zu werden, oder aber sie zogen ihnen bekannte Sozialdemokraten und Kommunisten heraus, die sich abseits vor dem Rathaus hinsetzen und die Massaker den ganzen Tag mit ansehen mußten.

Jeder angehaltene Deutsche mußte vor den Richtertisch, bis die Reihe an ihn kam, die letzten Schritte auf den Knien rutschen. Jeweils der erste rechte Mann in der Reihe trug mit erhobenen Händen ein Hitlerbild, das die Partisanen mit aufgezogenem Schleim bespuckten. Der Nebenmann mußte diesen Answurf jedesmal ablecken und hinunterschlucken.

An dem Partisanenrichtertisch saßen der Vorsitzende, namens Hrabáek, vier weitere Zivilisten, ein Gendarm, ferner stand dabei ein Partisanenweib, welches einige Deutsche, darunter auch mich, mit einem Gummistempel im Gesicht viermal abstempelte, bis ein Tscheche aus dem ersten Stockwerk des Landratsamtes ihr dies verbot. Andere Tschechen in Zivil, die die Mißhandlungen an den Verurteilten zu vollstrecken hatten, standen um das Partisanengericht herum.

Dieses Blutgericht verurteilte die herangeschleppten Deutschen entweder zu Prügelstrafen zwischen 10 bis 100 Schlägen oder zum Tod durch Erschießen oder Erhängen.

Die zu Prügeln Verurteilten wurden an jenen zwei Tagen in die Toreinfahrt des Gemeindehauses geschleppt, dort auf ein vorbereitetes neues breites Brett geworfen und, ohne daß einer der Henker zählte, mit Gummiknüppeln, Ochsenziemern, Gewehrkolben und Stöcken über den ganzen Körper, auch über den Kopf und Hals, geschlagen und mit Füßen getreten. Vor mir erhielt Brauereidirektor Lm. Gustav Zimmermann zehn Schläge zudiktiert. Die gellenden Schmerzensschreie der Geprügelten waren den ganzen Tag über in grauenerregender Stärke zu hören. Damit vermengten sich ununterbrochen die Gewehr- und Maschinenpistolensalven.

Ein Kandelaber vor dem Gasthaus Schmeiser diente als Galgen. Ich sah, wie der Installateur Josef Jurenka gehängt wurde. Er eilte selbst auf den Galgen zu, legte sich die Schlinge um den Hals, ein Partisane stieß den Hocker weg. Der Gehängte blieb, solange ich auf dem Ringplatz war, am Galgen, nachdem vor ihm ein anderer Deutscher gehängt worden war. Ferner sah ich, wie der Leiter des Amtsgerichts, Lm. Dr. Josef Meixner, schon unter dem Galgen angetreten war, nach kurzer Umfrage durch Lautsprecher aber wieder in meine Reihe zurückgetrieben wurde. Meixner hatte viele blutende Wunden auf dem Kopf und war sehr benommen. Er wurde nach Sibirien abtransportiert und kehrte von dort krank zurück.

Links vor dem Aufgang zum Rathaus (Amtsgericht) befand sich ein Luftschutzwasserbassin, in das mehrere Deutsche hineingeworfen wurden, worauf die Partisanen auf sie schossen. Die am Leben Gebliebenen wurden herausgezogen, über das Geländer geworfen, aus Feuerwehrschläuchen angestrahlt, so daß sie umfielen, sodann wurden die meisten von ihnen an die Mauer gestellt und von Partisanen durch Feuerstöße aus Maschinenpistolen niedergestreckt. Die Ermordeten lagen dort auf einem Haufen, wurden gegen Abend auf einen Plateauwagen des Fuhrwerkers Stransky geworfen, auf den Friedhof geführt und, wie ich später erfuhr, in einem Massengrab begraben.

Fast nach jedem Mord trat ein Partisane an den Toten heran und gab ihm aus der Pistole einen Fangschuß mit der zynischen tschechischen Bemerkung: Ted má dost! (jetzt hat er genug!). Der Ziegeleibesitzer Lm. Ing. Josef Neugebauer wurde von drei Partisanen aus Richtung Kaufmann Heider anscheinend aus dem Gefängnis im Laufschritt über den Marktplatz gejagt, wobei ihn drei mitlaufende bewaffnete Tschechen unablässig mit Gummiknüppeln über den Kopf und den Rücken schlugen. Bei der Rathausmauer angelangt, stellte er sich auf Kommando mit erhobenen Armen mit dem Gesicht zur Mauer, Maschinenpistolen traten in Tätigkeit, Neugebauer fiel lautlos auf den Haufen der dort liegenden Gemordeten, ein Partisane gab auch ihm den Fangschuß. Auf ähnliche Weise, aber ohne Spießrutenlaufen, sah ich Lm. lug. Otto Dieterich an der Richtstätte enden.

Angesichts der Wasserkastenbestialitäten, der dichtanliegenden Toten, unter dem Schmerzensgebrüll der Gegeißelten, unter fortwährendem Schießen und den anderen schon beschriebenen Scheußlichkeiten suchten die Tschechen zwei starke deutsche Männer aus, befahlen ihnen, den Oberkörper zu entblößen und einen Boxkampf aufzuführen.

Offenbar in der allerdings irrigen Hoffnung, sich das Leben zu erkämpfen, schlugen die Kämpfenden mit bloßen Fäusten aufeinander los, bis sich der eine von ihnen im Staube wälzte. Was weiter mit ihnen geschehen ist, konnte ich nicht beobachten. Den Bauer Richter aus Lußdorf habe ich in der darauffolgenden Nacht in meiner Zelle getroffen, er war durch die erlittenen Mißhandlungen völlig apathisch und wurde am nächsten Tag abtransportiert.

Mir wurden am 17. 5. 1945 gegen 18 Uhr dreißig Schläge vom Blutgericht zudiktiert. Bei dieser unmenschlichen Mißhandlung wurde ich zweimal ohnmächtig. Nach der Exekution wurde ich zu dem Eckhaus des Kaufmanns Heider geschleppt und dort sitzend an die Mauer gelehnt.

Gegen 19 Uhr wurden wir ungefähr 40 Männer in das Gerichtsgefängnis abgeführt, nachdem schon tagsüber einige Trupps dorthin eingeliefert worden waren. Vor dem Gefängnis brach ich wieder zusammen und wurde von meinen Leidensgenossen in die Zelle geschleppt. Die Schießereien hörten wir noch bis spät in die Nacht. An Schlaf war nicht zu denken, denn in einer bloß für drei Häftlinge bestimmten Zelle wurden 19 Männer zusammengepfercht, die alle schwer angeschlagen waren. Ich spürte, wie mich eine Lähmung beider Arme anschlich, am nächsten Tag hing mein rechter Arm schlaff herunter. Dieser Zustand dauerte einige Wochen. Bis heute sind eine teilweise Lähmung des rechten Ellbogennerven und die Folgen eines Bruches des rechten Kiefergelenks zurückgeblieben, die laut ärztlichem Befund nicht mehr zu heilen sind. Außerdem erlitt ich einen Bruch des linken Ellbogenknochens, Verletzung der Nieren, Blutunterlaufungen am ganzen Körper und eine Gehirnerschütterung.

Am 18. Mai 1945 wurden wir aus dem Gefängnis abermals auf den Marktplatz getrieben, wo die Tschechen ähnliche Greueltaten wie am Vortage verübten. Geschlagen wurde ich aber nicht mehr, auch die Arme mußten wir nicht mehr hochhalten, doch wurden wir wieder vor das Partisanengericht befohlen, nochmals untersucht und in das Gefängnis zurückgeführt.

Der Massenmörder Hrabáek unterbrach, als ich vor dem Blutgericht stand, die Sitzung mit der Bemerkung, er müsse feststellen, ob mich die Russen suchen. Er ging in das Landratsamt, kam mit einem größeren Notizbuch zurück und sagte, er könne mich nicht in den Listen finden. 13 Tage wurde ich im Gerichtsgefängnis zurückgehalten. Die Verpflegung bestand in schwarzem Kaffee morgens, einer Gemüsewassersuppe mittags und abends wieder schwarzem Kaffee. Einmal täglich wurden 200 Gramm Brot ausgegeben. Ununterbrochen, tags und nachts, kamen kleinere Kommissionen der Russen, Partisanen und Zivilisten, auch Polen, in die Zellen, um nach Deutschen zu fahnden, die anscheinend auf besonderer Liste standen. Einige Zellengenossen wurden sofort abgeführt. Welches Los ihnen beschieden war, haben wir nicht erfahren. In meiner Zelle waren u. a. Otto Sponner, Dr. Josef Meixner, Josef Janda aus Michelsdorf, aber auch ein Spitzel, dessen Name ich nicht kenne.

In der Zelle nebenan lag die Frau eines deutschen Gendarmen, die schwer mißhandelt worden war, mit ihrem kleinen Sohn. Sie wurde in das Krankenhaus nach Wildenschwert übergeführt.

In anderen Zellen waren Dr. Haus Rieß, der Gastwirt Franz Mottl und der Schneidermeister Hans Blesel. Auf dem Flur vor den Zellen mußten verschiedene Deutsche, ein Gendarm, ein in Landskron wohnhafter Holländer, der Spediteur Karl Nagl und andere, mir nicht namentlich Bekannte, tagelang mit zur Wand gekehrtem Gesicht, an Händen und Füßen mit starken Seilen oder schweren Eisenketten gefesselt, stehen und wurden dann, mir unbekannt wohin, fortgebracht.

Nach meiner Entlassung aus dem Gefängnis lag ich einige Wochen teilweise gelähmt und an inneren Verletzungen krank in meiner Wohnung.

Mitte Juni wurde anläßlich der Registrierung der männlichen Bevölkerung von Landskron wiederum ein großer Teil der Männer in verschiedenen Gebäuden eingesperrt; ich selbst, obwohl kaum gehfähig, wurde mit etlichen 20 auf dem Dachboden der sogenannten "Beseda" eingesperrt.

In der Nacht wurden einige der Inhaftierten zur Leibesexekution in einen Nebenraum gebracht, aus dem dann Schmerzensschreie zu hören waren. Mit schweren Mißhandlungen kamen in jener Nacht zu uns stumpfsinnig Wartenden zurück: der Gefangenenaufseher Wondra, der bis vor wenigen Tagen noch Dienst gemacht hatte, und ein gewisser Groß aus Troppau. Beide stöhnten vor Schmerzen die ganze Nacht. Am nächsten Morgen wurde ich wieder entlassen. Auch in dieser Nacht wurden wir von Fahndungstrupps besucht.

In der Nähe des Badhauses hatte ein betrunkener russischer Soldat einen anderen russischen Soldaten erschossen. Eine russische Patrouille erschoß daraufhin den ersten ihr aus jenem Hause entgegenkommenden deutschen Mann, der gar nicht zu Wort gekommen war .In jenen Tagen des 17. und 18. Mai 1945 wurden auf der Straße Rudolf Gerth und Forstdirektor Theodor Benesch von Partisanen umgebracht. Deutsche Frauen wurden wiederholt von Russen vergewaltigt. Die minderjährige Tochter eines Bekannten wurde von den Russen vergewaltigt, der Vater wurde gefesselt und mußte diesem Verbrechen zusehen.

Ein Mädchen sprang aus dem Fenster des ersten Stockes, um der Vergewaltigung zu entgehen, und brach sich das Bein. Durch Wochen, bis zu meiner Vertreibung, schlief die Bevölkerung kaum, da sie sich vor den diedie ganze Nacht plündernden Russen und Partisanen rechtzeitig sichern wollte, um besonders die Frauen zu verbergen.

In der Zeit vom Kriegsende bis zu meiner Vertreibung am 5. Juli 1945 erhielten wir die deutschen Hungerkarten. Ich mußte mich täglich bei der Polizei melden, alle Deutschen mußten die weiße Armbinde bei sonst schwerer Strafe tragen. Die deutsche Bevölkerung der umliegenden Dorfgemeinden wurde in das inzwischen von den Polen besetzte benachbarte Preußisch-Schlesien ausgetrieben, von wo einige zurückkehrten."

Berichter: Julius Friedel

Bericht vom 22. 2. 1951

Am 9. Mai 1945 kam es auf den Höhen des Talkessels von Landskron zu den letzten Kampfhandlungen.

In den ersten Tagen der Russeninvasion kümmerten sich diese wenig um die geängstigten deutschen Menschen. Es wurde nach Alkohol gesucht, geplündert und in der Nacht veranstalteten die Soldaten förmliche Jagden nach Frauen, man konnte die ganze Nacht das Schreien der gehetzten Opfer hören.

Die wenigen ansässigen Tschechen wußten anfangs selbst nicht, wie sie sich verhalten sollten, außerdem waren sie um ihre Habe in größter Sorge.

Die deutschen Männer der Stadt mußten in diesen Tagen Aufräumungsarbeiten machen und wurden in den Vormittagsstunden des 17. Mai ohne Angabe des Grundes heimgeschickt.

Gegen 11 Uhr desselben Tages kamen auf Lastwagen hunderte bewaffneter Tschechen, sogenannte "Partisanen" angefahren. Sie nahmen am Stadtplatz zu einer Kundgebung Aufstellung und ein russischer Offizier hielt eine feurige Ansprache, die oft von tosendem Geschrei begleitet wurde. Wie auf Verabredung stoben dann die Tschechen nach allen Windrichtungen auseinander. Es dauerte auch nicht lange und man wußte Bescheid, warum es ging.

In kleineren und größeren Gruppen wurden alle deutschen Männer, auch Frauen und Kinder waren darunter, auf den Stadtplatz gehetzt, die Häuser der Stadt wurden regelrecht durchgekämmt, alle Männer wurden mitgenommen, alt und jung, Gebrechliche und selbst schwer Kranke.

Die einzelnen der zusammengetriebenen deutschen Gruppen waren von wild johlenden, schwer bewaffneten Tschechen begleitet, die blindlings in alles hineinschossen und auf alles einschlugen, was ihnen unter die Hände kam. Andere Trupps von Tschechen waren inzwischen in die umliegenden Dörfer gefahren und trieben dort ebenfalls auf dieselbe Weise die Männer in die Stadt. In den frühen Nachmittagsstunden waren weit über 1000 deutsche Männer auf dem Stadtplatz zusammengetrieben worden. Sie wurden in Reihen formiert und mußten mit erhobenen Händen dastehen und der Dinge harren, die noch kommen sollten.

Es folgten nun die widerlichsten Szenen, die Menschen je zu ersinnen vermochten. Bald mußten die Männer flach auf dem Pflaster liegen, rasch wieder aufstehen, dann in Unordnung gebracht, sich wieder zur Reihe aufstellen. Die Tschechen gingen die Reihen auf und ab, traten mit Vorliebe den Männern in die Geschlechtsteile und Schienbeine, schlugen mit allen mitgeführten und erreichbaren Schlagmitteln auf sie ein, bespuckten sie und schossen vor allem wild herum.

So gab es bald viele Verletzte, die sich nicht mehr erheben konnten und qualvoll litten. Doch das war noch nicht genug. Vor dem Rathaus befindet sich ein großer Luftschutzwasserbehälter, in den schließlich die Opfer der bestialischen Tollwut nacheinander hineingeworfen wurden und mit Stöcken und Stangen am Auftauchen gehindert, unter Wasser gehalten wurden.

Ja, schließlich wurde sogar hineingeschossen, und das Wasser färbte sich blutrot. Beim Herauskriechen wurde ihnen auf die Finger getreten, mancher aber bereits tot herausgefischt. Andere am Boden Liegende wurden durch die mittlerweile herbeigeholte Feuerspritze angestrahlt und weiter in einer Art mißhandelt, die nicht zu beschreiben ist. - Während sich diese unmenschlichen Greueltaten abspielten, hatte sich auf dem Gehsteig vor dem Landratsamt das sogenannte "Volksgericht" eingerichtet. Hinter den bereitgestellten Tischen nahmen die Tschechen Platz, unter ihnen:

Hrabacek, Sägewerksbesitzer aus Weipertsdorf,

Pfitzner Wilhelm, Angestellter der Krankenkasse, Landskron,

Matschat Franz, Weber bei der Fa. Thoma, Landskron, Magdalenenstr.,

Wanitschek Bernard, Schuhmacher, Landskron, Karlgasse,

Matschat Stefan, Weber bei der Fa. Thoma, Landskron,

Bednar Friedrich, Tischler, Tabakfabrik, Landskron,

Polak, Gendarmerieoffizier, und eine Frau, vermutlich

Frau Lossner aus Landskron.

Um den Tisch herum stand eine große Anzahl von Tschechen, die als Ankläger galten und sich die einzelnen, bevorzugten Deutschen aus den Reihen holten. In mehreren Reihen hintereinander, mit erhobenen Händen, mußten die deutschen Männer vor dem Richtertisch erscheinen. Der jeweils Erste einer Reihe mußte ein mit Auswurf bedecktes Hitlerbild tragen, das der Nebenmann auf Kommando abzulecken hatte. Die letzten 20-30 Schritte zum Richtertisch mußten auf dem Boden kriechend zurückgelegt werden. Hier wurde jedem sein Urteil verkündet, das ihm mit Kreide auf den Rücken geschrieben wurde. Ungefähr 50-60 m gegenüber bis zu einer Toreinfahrt gab es ein Spießrutenlaufen im wahrsten Sinne des Wortes. Viele blieben schon auf dem Wege liegen, bevor dort die eigentliche Strafe vollzogen wurde. Was sich dabei an Brutalität ereignete, ist unmöglich niederzuschreiben.

Eines der ersten Opfer war Karl Piffl, Tischlermeister. Nachdem er aus der Reihe geholt, durch das Wasser getrieben und von dort halbtot herausgezogen war, wurde er darin buchstäblich zu Tode geprügelt und zu Brei zertreten.

Der Nächste war der Werkmeister der Fa. Pam, Landskron, Reichstädter, der bis zur Unkenntlichkeit zerschlagen, noch an die Mauer des Rathauses gestellt wurde und durch Maschinenpistolensalven sein Ende fand. Im Laufschritt kam aus der Gasse, die zum Gefängnis führte, voll johlenden Tschechen getrieben, blutüberströmt Ing. Josef Neugebauer, Landskron, der ebenfalls am Rathause mit erhobenen Händen und zur Mauer gewandtem Gesicht lautlos durch die Kugeln der Maschinenpistolen fiel. Auf ähnliche Weise beendete auch Ing. Otto Dietrich, Landskron, sein Leben. Der Bauer Viktor Benesch, Landskron, endete an derselben Stelle mit abgeschossener Schädeldecke.

Die Schmerzensschreie der blutenden Menschen übertönte bald alles Geschehen, viele saßen und lagen teilnahmslos um die Toten. Gegen 7 Uhr abends wurde der größte Teil der Zusammengetriebenen in Gewahrsam genommen, nur wenige wurden heimgeschickt.

Am 18. Mai wiederum am Stadtplatz zusammengetrieben, wurden an den Opfern die entsetzlichsten Folterungen und brutalsten Mißhandlungen fortgesetzt. Der Installateurmeister Josef Jurenka aus Landskron, Angerstraße, wurde zum Tode durch Erhängen verurteilt. An einer Gaslaterne wurde das Urteil vollstreckt, nachdem er sich selbst die Schlinge um den Hals legen mußte.

Auf ähnliche Weise endete der am Landratsamt angestellte Robert Schwab aus Ober-Johnsdorf. Diese beiden Erhängten mußten von den Deutschen ständig in schwingender Bewegung gehalten werden.

Ing. Köhler, der aus Deutschland stammte und nur in Landskron wohnhaft war, wurde, nur mit einer Lederhose bekleidet, die auf die Tschechen wie ein rotes Tuch wirkte, unter größtem Gejohle mit Spazierstöcken aufgespießt.

Es spielten sich an diesem Tage noch furchtbarere Szenen ab, als am Vortage. Einige Deutsche wurden gezwungen, sich auszuziehen, Ringkämpfe vorzuführen, sich gegenseitig zu verprügeln usw.

Furchtbare Schreie gellten den ganzen Tag über den sonst ruhigen Stadtplatz. Gegen 17 Uhr nahmen dann diese Greuel ein unvorhergesehenes Ende und dies durch die aufopfernde Tat der Kaufmannswitwe Frau Auguste Heider. Ihr Geschäftshaus stand unmittelbar hinter dem Stand des "Volksgerichtes" und hat sie von ihrem Dachboden aus wohl die sich in nächster Nähe abspielenden Greueltaten wahrnehmen können und ihnen dadurch Einhalt gebieten wollen, daß sie ihr Haus in Brand setzte und selbst den Freitod durch Erhängen suchte. Der aufkommende Brand verursachte eine jähe Panik und machte dem bestialischen Treiben der Tschechen ein vorzeitiges Ende.

Vor dem Rathause, an der Stelle, wo vorher das "Volksgericht" mordete, lagen in großen Blutlachen und Rinnsalen von Blut folgende Deutsche, teils erschossen, teils erschlagen und bis zur Unkenntlichkeit zertreten und verstümmelt:

  1. Benesch Viktor, Landwirt und stellvertretender Ortsbauernführer, Führer der Kriegerkameradschaft aus dem Weltkriege,
  2. Neugebauer Josef, Ingenieur und Baumeister,
  3. Dieterich Otto, Ingenieur und Baumeister,
  4. Köhler, Ingenieur und Betriebsleiter,
  5. Janisch Leo, Leiter des Arbeitsamtes,
  6. Langer Karl, Beamter des Arbeitsamtes,
  7. Langer Josef, Beamter des Arbeitsamtes,
  8. Kowarsch Karl, Fleischhauermeister, erschossen von seinem Gehilfen,
  9. Benesch Theodor, Forstdirektor i. R.,
  10. Gerth Rudolf, Feldwebel,
  11. Lug Hubert, Landwirt aus Lukau,
  12. Klement Johann, Elektrotechniker,
  13. Schwab Reinhold, Zementwarenerzeuger,
  14. Schmidt Karl, Spenglermeister,
  15. Jurenka Josef, Schlossermeister,
  16. Schwab Robert, Beamter des Landrates,
  17. Antl Richard, Bauer aus Rudelsdorf,
  18. Marek, Eisenbahner,
  19. Koblischke Josef, Oberlehrer i. R.,
  20. Piffl Karl, Tischlermeister,
  21. Hafler Leopold, Arbeiter,
  22. Reichstätter Julius, Beamter,
  23. Linhart Josef, Bauer aus Lukau,
  24. Zandler, Bauer aus Rudelsdorf.

Diese Menschen, die hier einer bestialischen Horde zum Opfer fielen, blieben bis zum 19. Mai liegen. In den späten Nachmittagsstunden mußte der Landwirt Eduard Neugebauer, Landskron, Angerstraße, auf den Friedhof führen. Der totenbeschauende Arzt, ein Deutscher, welcher für die Deutschen aus Landskron ob seines anrüchigen Verhaltens ausgelöscht ist, sagte, daß er von den zu Tode gequälten Menschen nicht mehr eindeutig feststellen konnte, wer sie waren. In einem Massengrab wurden diese Toten buchstäblich verscharrt.

Es ist kein Wunder, daß ob diesem grausamen Geschehen viele Deutsche ihrem Leben durch Freitod ein Ende setzten.

Mit Zuverlässigkeit sind es folgende:

Heider Auguste, Kaufmannswitwe, Landskron, Stadtplatz,

Maresch Eduard, Schnittwarenhändler u. Frau, Landskron, Magdalenenstr.,

Richter Hubert, Schuhmacher und Frau, Landskron, Magdalenenstraße,

Riedel Wenzel, Gendarmeriewachtmeister i. R., Landskron, Magdalenenstr.,

Waschitschek Hans, Wanderlehrer i. R. und Frau, Landskron, Badgasse,

Killer, Landwirt, Landskron, Angerstraße,

Janisch Karl, Gärtner, Landskron, Friedhofstraße,

Jandejsek Josef, Steuerobersekret. i. R. u. Frau, Landskron, H. Knirschstr.,

Portele Otto, Schuhmacher, Landskron, Stadtplatz,

Kusebauch Wenzel, Major i. R. und Frau, Landskron, Angerstraße,

Knapek Gerlinde, geb. Ringl, Landskron, Stadtplatz,

Piffl Anna, geb. Schreiber, Arztenswitwe u. Tochter Ingunde Ilgner mit ihrem Kinde, Landskron, Knirschstraße,

Dr. Pelzl Franz und Frau Mathilde, geb. Nagl, Landskron, Johannesgasse,

Rotter Richard mit einem Kind, Landskron,

Langer Karl, Gemeindeangestellter i. R., Landskron, Schulplatz,

Schromm Viktor, Straßenmeister, Landskron.

In den meisten Dörfern verliefen diese Tage auf ähnliche Weise.

Den Freitod suchten außerdem in:

Hilbetten: über 60 Personen, darunter der Arzt des Ortes Dr. Schwarz, in dessen Wohnung viele Deutsche den Tod suchten.

Türpes: die Frau des Bürgermeisters Schmidt erschoß ihre Kinder und sich selbst.

Ziegenfuß: erschoß der Erbrichter Franz Hübl seine achtköpfige Familie, nur seinen 80jährigen Vater ließ er am Leben.

Rudelsdorf: schied ebenfalls eine größere Anzahl freiwillig aus dem Leben.

Triebitz: wurde der Bauer Julius Klaschka erschossen.

Sichelsdorf: wurde der Bauer Franz Kaupe erschossen.

Tschenkowitz: gab es ebenfalls mehrere Tote durch Erschießen.

Abtsdorf: ging der Freisassenhofbesitzer Heinz Peschka mit Frau und seinem Sohn in den Freitod, ebenso der Bürgermeister Max Wilder mit Frau und drei Kindern.

Der ehemalige Bürgermeister der Stadt Landskron, Dr. Franz Nagl, später Leitmeritz, wurde in Königgrätz erschossen.

Besondere Brutalität legte der tschechische Schuhmacher Janecek aus Hermanitz an den Tag. Mit Stolz erzählte er später im Gefängnis, daß er nicht weniger als 18 deutsche Soldaten, die waffenlos durch die Wälder zogen, aus dem Hinterhalt erschossen hat.

In diesen Tagen wurden noch arbeitsfähige Deutsche in größere Gruppen zusammengefaßt und den Russen übergeben, von denen sie nach dem Osten verschleppt wurden. Viele von ihnen haben nach monate- und jahrelangem opfervollen Leben die Heimkehr nicht mehr erlebt.

Weitere Namen von Tschechen, die damals in der Gemeindeverwaltung tätig waren, sich an den Ausschreitungen gegen die Deutschen beteiligten, durch Raub und gemeinsten Diebstahl bekannt und die auf alle Fälle für all das Geschehen mitverantwortlich waren, sind:

Die beiden Bürgermeister Losser und Hejl, die Stadtverordneten Zidlik, Ing. Vagner, Dr. Rehák, Wanitschek, Kudlacek, Pfitzner, der Vorsitzende Dr. Skala, sowie Vodicka. Ganz besonders hervorzuheben ist der Sägewerkbesitzer Hrabacek und der Gendarmerieoffizier Polak. Hrabacek endete nach der Flucht aus dem Reiche Gottwalds über Deutschland in Frankreich als Landarbeiter, und auch Polak nahm ein bitteres Ende.

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